Kommunikation per Videokonferenz oder Messenger

Grundlagen Datenschutz und Urheberrecht

Zur Nutzung von Online-Tools während der Schulschließungen aufgrund des Corona-Virus hat das Kultusministerium in Bayern ein entsprechendes Schreiben herausgegeben, das die Nutzung während der Sondersituation regelt. Die dort getroffenen Aussagen sind nicht grundlegende datenschutzrechtliche Entscheidungen, sondern der Nutzung in der Notlage (Dynamik der Verbreitung von Infektionen durch das Corona-Virus und daraus resultiernde Schulschließungen) geschuldet. Dort genante Verfahren sind keinesfalls grundsätzlich zur Nutzung im Regelfall empfohlen, sondern müssen – ggf. wenn der Normalzustand wieder eingekehrt ist – vom zuständigen behördlichen Datenschutzbeauftragten eingeschätzt werden.

Weitere Infos aus dem KM zum Schuldatenschutz finden Sie unter https://schuldatenschutz.bayern.de.

Grundsätzlich sollten außerhalb von mebis nur Dienste genutzt werden, die so datensparsam wie möglich sind bzw. datensparsam genutzt werden, beispielweise:

Der Bayerische Landesbeauftragte für Datenschutz hat sich nach der Aufhebung des Katastrophenfalls erneut zur Thematik geäußert: „Übergang zum Regelbetrieb nach Aufhebung des Katastrophenfalls“ [Link] .

Bitte beachten Sie auch die Regelungen des Urheberrechts, da zahlreiche „Unterrichtsprivilegien“ bzgl. Vorführung und Kopien nur beim Unterricht im Klassenverband (in der Schule oder in einem eigenen Klassenkurs in mebis), nicht aber auf öffentlich zugänglichen Webportalen gelten.
Grundlegende Infos des Verbands Bildungsmedien zu Kopien aus Schulbüchern finden Sie unter http://www.schulbuchkopie.de.

Unter dem oben zum Datenschutz benannten Vorbehalt, stehen auch die folgenden Beispiele:

Didaktische Grundlagen zu Videokonferenzen

  • Webmeetings mit eingeschalteten Kameras erzeugen mehr Nähe und soziale Interaktion, als reine Sprechmeetings. Für Lehrkräfte und Referenten ist das nonverbale Feedback sehr gewinnbringend. Die Nutzung der Kamera muss allerdings immer freiwillig bleiben und bei Minderjährigen muss zusätzlich eine Zustimmung der Eltern vorliegen. Die Teilnehmer, die eine schlechte (schwache) Internetverbindung haben, sollten ggf. dennoch auf die Aktivierung der Kamera verzichten.
  • Lehrkräfte und Referenten erzeugen auch eine größere Nähe und auch Akzeptanz, wenn sie selbst (auch bei Bildschirmfreigabe einer Präsentation) per Kamerabild sichtbar sind. Sie sollten auf einen ruhigen Hintergrund achten, was den Teilnehmern mehr Konzentration auf den Inhalt ermöglicht. Gegenlichtsituationen (Fenster oder Lampe hinter dem Sprecher) sind zu vermeiden, das Gesicht sollte von vorne beleuchtet sein.
  • Um den Ton der Lehrkraft bzw. des Referenten zu verbessern, wird die Nutzung von Headsets (Kopfhöhrer mit Mikrofon) empfohlen. Alternativ sind auch Smartphone-„Ohrstöpsel“ mit Mikrofon meist besser, als Gerätelautsprecher und Mikro in Notebook oder Smartphone/Tablet, da sie Rückkopplungen verhindern und für den nötigen gleichbleibenden Abstand zum Mikrofon sorgen.
  • Ggf. die Teilnehmer-Leiste anzeigen lassen, um die Liste der Teilnehmenden zu sehen.
  • Ggf. die Chat-Leiste anzeigen lassen, um mit den Teilnehmenden chatten zu können.
  • Die Chat-Leiste kann auch gut als „Rednerliste“ genutzt werden. Wer etwas sagen will, soll seinen eigenen Namen in den Chat schreiben. So kann man chronologisch aufrufen und die Rednerliste abarbeiten.
  • Mit den Teilnehmenden klären, wann Mikrofon und/oder Kamera genutze werden können. Mikrofon/Kamera bei Beitritt grundsätzlich ausschalten lassen.
  • Inhalte können per Bildschirmfreigabe geteilt werden – idealerweise auf einem zweiten Bildschirm. Soll der Ton eines abgespielten Videos übertragen werden, muss ggf. eine entsprechende Option gewählt werden.
  • Nicht vergessen, eigenes Mikrofon (und Kamera) an- oder auszuschalten.
  • Online-Fortbildungen nicht länger als 60 Minuten ansetzen.
  • Privatchat im Meetingtool aktiviert lassen oder deaktivieren im Fernunterricht? Diese Frage muss individuel beantwortet werden. Deaktiviert man Teilnehmerchats, dann sind selbige vielleicht weniger durch Privatgespräche abgelenkt – so lange, bis sie ggf. auf ihr Smartphone ausweichen.
    Privatchats bei Elternabenden? Auch für weniger Selbstbewusste Teilnehmer bietet das ggf. die Chance, sich erst mit einem bekannten anderen Teilnehmer auszutauschen, um sich dann vielleicht doch zu trauen, einen Nachfrage oder Meinungsäußerung zu stellen.
    Insgesamt habe ich selbst mit dem Nichtsperren von Privatchats selbst keine negativen Erfahrungen gemacht, weshalb ich diese aus den genannten Gründen nicht sperre. Im Fall der Sperrung ist die Alternative zum „Schwätzen“ oder Abgelektsein per Smartphone die schlechtere Alternative.

Mögliche Nutzungsszenarien

  • Digitaler Morgenkreis, offene Austauschrunden etc.
  • Fragestunde zu Wochenplan an Mo/Fr anbieten.
  • Komplette Unterrichtsszenarien per Videokonferenz. „Tafeleinträge“ können über Dokumentenkamers, interaktive Tafel oder Tablet geschrieben und geteilt werden.
  • Parallele Nutzung von Tools zur Online-Zusammenarbeit o.ä., siehe ZUMpad oder weitere Anbieter von Etherpads. Manche Videokonferenztools bringen das von selbst mit, ohne externe Anwendungen nutzen zu müssen.
  • Digitaler Elternabend zu Sachthemen.
  • Schulinterne Lehrerfortbildung oder regionale Lehrerfortbildung.

Unterstützung für den Meeting-Gastgeber selbst

  • Nutzen Sie einen zweiten Bildschirm, den Sie teilen. Dann bleibt Ihnen ein eigener Bildschirm für die Videoübertragungs-Software und Sie können dort beispielsweise parallel den Chat oder die Teilnehmerliste beobachten.
  • Viele Meeting-Gastgeber bevorzugen es, von einem zweiten Gerät, beispielsweise einem Tablet, die eigene Veranstaltung in der Teilnehmerrolle mitzuverfolgen. So hat man einen Überblick, ob die Übertragung funktioniert.

Moderationskarten für Videokonferenzen

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik Deutschland e.V. bietet hilfreiche Moderationskärtchen für Videokonferenzen an [Link].

Ebenso bietet die LMK – medienanstalt rlp hilfreiche Videokonferenzkarten an, diese sind zur doppelseitigen Nutzung gedacht.

Beispiele für Videokonferenzsysteme und sichere Messenger

Cisco Webex Meeting Telekom (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Die Telekom bot während der Corona-Krise von März bis Juli kostenlos den Webmeeting-Dienst Webex Meet von Cisco für Schulen an. Die Telekom als Anbieter unterliegt als deutsches Unternehmen der DSGVO (AV-Vertrag vorhanden). Nutzung im Internetbrowser ohne Softwareinstallation oder mittels eigener Software/APP für bis zu 1.000 Teilnehmer möglich. Software für Windows, macOS, iOS/iPadOS und Android vorhanden. Inzwischen gibt es ein kommerzielles Angebot für Schulen unter https://public.t-systems.de/kommunen/digitale-schule/plattformen-cloud-betrieb/fuer-schulen-und-unis-919764.
Dies stellt keine datenschutzrechtliche Freigabe außerhalb der Schulschließungen dar, hierfür ist der schulische Datenschutzbeauftragte am jeweiligen Schulamt zuständig. Die Teilnahme für Schüler*innen muss freiwillig sein, eine Zustimmung der Erhziehungsberechtigten muss vorliegen.

Alfaview (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Die Videoplattform ermöglicht Videokonferenzen, der Anbieter unterliegt als deutsches Unternehmen der DSGVO, ein AV-Vertrag kann beim Anbieter angefordert werden. Eine beschränkte kostenfreie Variante steht zur Verfügung. Software für Windows, macOS, Linux und iPadOS vorhanden, Android in Entwicklung. Weitere Infos unter https://alfaview.com/page/plans. Um Alfaview nutzen zu können, muss eine Software installiert werden.
Dies stellt keine datenschutzrechtliche Freigabe außerhalb der Schulschließungen dar, hierfür ist der schulische Datenschutzbeauftragte am jeweiligen Schulamt zuständig. Die Teilnahme für Schüler*innen muss freiwillig sein, eine Zustimmung der Erhziehungsberechtigten muss vorliegen.

Teamviewer Blizz (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Die Videoplattform ermöglicht Videokonferenzen, der Anbieter unterliegt als deutsches Unternehmen der DSGVO, ein AV-Vertrag kann beim Anbieter angefordert werden bzw. die Datenschutzstandards sind in der EULA Lizenzereinbarung hinterlegt. Eine beschränkte kostenfreie Variante steht zur Verfügung. Software für Windows, macOS, iOS/iPadOS und Android vorhanden. Weitere Infos unter https://www.blizz.com/de/. Um Blizz nutzen zu können, muss eine Software installiert werden.
Dies stellt keine datenschutzrechtliche Freigabe außerhalb der Schulschließungen dar, hierfür ist der schulische Datenschutzbeauftragte am jeweiligen Schulamt zuständig. Die Teilnahme für Schüler*innen muss freiwillig sein, eine Zustimmung der Erhziehungsberechtigten muss vorliegen.

Jitsi Meet (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Jitsi Meet ist eine quelloffene Software für Videokonferenzen, die auf zahlreichen Servern im Internet gehostet wird, beispielsweise unter https://fairmeeting.net. Jitsi Meet ist ohne Anmeldung direkt im Internetbrowser nutzbar, empfohlen wird der Chrome-Browser. Zusätzlich sind Apps für Android und iOS sowie Windows, macOS und andere vorhanden.
Sofern der Serverstandort nicht bekannt oder außerhalb der EU ist und kein AV-Vertrag vorliegt, zur behördlichen Nutzung nicht empfohlen, da Alternativen auf Grundlage der DSGVO vorhanden sind.

Die Nutzung von Jitsi Meet über kommerzielle Anbieter ist jedoch möglich, wenn der Betrieb im Rahmen der DSGVO auf euopäischen Servern abgewickelt wird und ein AV-Vertrag vorliegt. Auch der Anbieter selbst sollte der DSGVO unterliegen.

Big Blue Button (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

BigBlueButton ist ein Open-Source-Webkonferenzsystem, das auf zahlreichen Servern im Internet gehostet wird, beispielsweise unter https://demo.bigbluebutton.org/gl/. BigBlueButton ist für Teilnehmer ohne Anmeldung direkt im Internetbrowser nutzbar, Veranstalter müssen sich einloggen.
Sofern der Serverstandort nicht bekannt oder außerhalb der EU ist und kein AV-Vertrag vorliegt, zur behördlichen Nutzung nicht empfohlen, da Alternativen auf Grundlage der DSGVO vorhanden sind.

Die Nutzung von BigBlueButton über kommerzielle Anbieter ist jedoch möglich, wenn der Betrieb im Rahmen der DSGVO auf euopäischen Servern abgewickelt wird und ein AV-Vertrag vorliegt. Auch der Anbieter selbst sollte der DSGVO unterliegen.

Cisco Webex Meeting (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Cisco bietet auch selbst einen kostenlosen Zugang zu seinem Webmeeting-Angebot an, garantiert allerdings nicht die Nutzung deutscher Server. Nutzung im Internetbrowser ohne Softwareinstallation oder mittels eigener Software/APP für bis zu 100 Teilnehmer möglich. Cisco nutzt in der Eigenvermerktung US-Amerikanische Server. Für die behördliche Nutzung nicht empfohlen, da Alternativen auf Grundlage der DSGVO vorhanden sind. Nutzung ohne AV-Vertrag nicht zulässig.

Adobe Connect (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Adobe bietet eine 90-Tägige Testnutzung von Adobe Connect, möglich sind maximal 25 gleichzeitige Teilnehmer. Nutzung im Internetbrowser ohne Softwareinstallation für Teilnehmer möglich. Adobe nutzt in der Eigenvermerktung US-Amerikanische Server. Für die behördliche Nutzung nicht empfohlen, da Alternativen auf Grundlage der DSGVO vorhanden sind. Nutzung ohne AV-Vertrag nicht zulässig.

Zoom (Bildschirmfreigabe/Videokonferenz)

Aufgrund zahlreicher Meldungen über Datenschutzmängel wird Zoom im schulischen Bereich (behördlicher Datenschutz) trotz der Krisensituation nicht empfohlen, da sicherere Alternativen auf Grundlage der DSGVO vorhanden sind.
Zoom nutzt US-Amerikanische Server. Nutzung ohne AV-Vertrag nicht zulässig.

Messenger-App Signal

Die Messenger-App Signal wird von vielen Datenschützern positiv bewertet, leider stehen die normalerweise für die Behördennutzung notwendigen Formulare nicht zur Verfügung (AV-Vertrag etc.). Man könnte das unten verlinkte Amtschef-Schreiben („…Es ist sinnvoll, wenn Schulen, insbesondere Grund- und Förderschulen, in der aktuellen Situation darüber hinausgehend oder alternativ digitale Angebote nutzen […] datenschutzfreundliche Messenger-Dienste wie zum Beispiel Threema oder Signal…“)  in der jetzigen Lage der Corona-Krise als eine Art positive Stellungnahme werten. Dann wäre Signal als Tipp an die Schulen für sichere Kommunikationswege (Lehrer-Lehrer oder auch Lehrer-Eltern bzw. jugendliche Schüler) formulierbar. Der Signal-Messenger wäre ein deutlich milderes (datenschutzkonformeres) Mittel im Vergleich zu WhatsApp und daher in der jetzigen Situation zu empfehlen.

Microsoft Teams (Konferenz-Tool)

Seit Mitte Juni bietet das Kultusministerium den Sekundarstufenschulen MS-Teams-Lizenzen während der Pandemie mit einer beschränken Laufzeit kostenlos an. Eingeschlossen ist auch eine externer IT-Support für die Benutzerverwaltung.
Nur in der Konfiguration des KM und unter Vorliegen des obligatorischen AV-Vertrags wird die Einhatung der DSGVO gewährleistet. Dies ist zur behördlichen Nutzung verpflichtend.

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Teams 
  • Plattform, die Chat, Besprechungen, Notizen und Anhänge kombiniert. Teil von Office-365.
  • Zur Zeit kostenloser Zugang möglich. Weitere Infos und Anleitungen dazu: https://news.microsoft.com/de-de/covid-19-fernunterricht/ 
  • Unklar, ob/inwieweit die Systeme datenschutzrechtlich eingesetzt werden können. Aber Microsoft garantiert eine Speicherung auf in Deutschland stehenden Servern. Ideen:
    • Videokonferenzen
    • Materialbereitstellung
    • gemeinsames Arbeiten an Dokumenten
    • Bereitstellen und Einsammeln von Aufgaben
  • Die Teilnahme für Schüler*innen muss freiwillig sein.

Microsoft Skype

Da das Kultusministerium derzeit den Sekundarstufenschulen MS Teams zur Nutzung, auch von Videomeetings, zur Verfügung stellt, wird von der Nutzung von MS Skype abgeraten, da es sich hier i.d.R. um Privataccounts handelt. Der zur behördlichen Nutzung obligatorische AV-Vertrag, in dem Microsoft die Gewähr für die Einhaltung der DSGVO gibt, liegt dann nicht vor.